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Haus CleffSonderausstellung

Wolfgang Tillmans. Ausstellung in Remscheid

Beginn
Sonntag, 13.04.2025
Ende
Samstag, 24.01.2026

Ab dem 13. April 2025 präsentiert Wolfgang Tillmans (*1968, in Remscheid) auf 600 m2 die Ausstellung in Remscheid in Haus Cleff. Im Tillmans-Jahr 2025 mit Großprojekten im Albertinum Dresden (ab 8. März 2025) und dem Centre Pompidou, Paris (ab 13. Juni 2025) bietet die Ausstellung in der Geburtsstadt des Künstlers mit originärem Ortsbezug und ihren biografischen Verflechtungen eine ganz neue Perspektive auf sein künstlerisches Schaffen. Tillmans zeigt in Haus Cleff eine Gesamtinstallation mit Fotografien und Videoprojektionen in 30 Räumen auf drei Etagen. Mit der Ausstellung in Remscheid ist das Museum nach einer über zehnjährigen Sanierungszeit erstmals wieder für Besuchende erfahrbar.

Das Bürger- oder Patrizierhaus Haus Cleff war und ist ein Identifikationsort Remscheids mit einer wechselvollen Geschichte. Von den Brüdern Hilger 1778/79 als Kontor- und Wohngebäude in der bergischen Besonderheit eines Doppelhauses errichtet, bewohnten die Geschwister die beiden annähernd symmetrischen Haushälften „Küche an Küche“. Das beeindruckende Fachwerk-Gebäude repräsentierte einerseits den Wohlstand der Unternehmer, andererseits spiegelt es die für die bergische Kleineisenindustrie charakteristische Arbeitsteilung eines Familienunternehmens wider. In eben dieser bot einer der Brüder die Waren in aller Welt feil, während der andere zuhause die kaufmännische Abwicklung sowie Zulieferung des Verlagswesens mit den lokalen Feilen- und Sensenschmieden unterhielt.

In der Belletage des Bürgerhauses leiten die zart-ornamentierten Rokoko-Fenster den Blick vom auf der Anhöhe „Hasten“ gelegenen Prachtbaus hinunter in das Tal. Architektur als in Stein verewigte Macht: Die in den wasserführenden Tälern tätigen Eisenwarenproduzenten mussten die Anhöhe erklimmen, um bei Kaufleuten wie den Hilgers vorzusprechen und ihre Waren in den Vertrieb zu geben. Selbstbewusst verweisen die Wappen Russlands und Hollands über den Flügeltüren der Vorderseite auf die internationalen Handelspartner der Hilgers. In der ehemaligen Küche tragen die Delfter Fliesen die Initialen der Bauherren. Ein eigener Brunnen stellt einen im 18. Jahrhundert nur wenigen Wohlbetuchten vorbehaltenen Luxus dar.

In der Napoleonischen Ära residierte Bürgermeister Heinrich Sonntag in Haus Cleff. Die aus den Befunden der denkmalpflegerischen Bestandsaufnahme abgeleiteten historischen Wandfarben lassen die ehemalige Nutzung der Repräsentationsräume erahnen. 1847 übernahmen die Brüder Cleff das Gebäude, um es in den kommenden Jahren im Zuge der Industrialisierung um ein Kontorhaus und zwei Produktionshallen zu erweitern. 1927 kaufte die Stadt Remscheid Haus Cleff, das ab diesen Zeitpunkt als „Heimatmuseum“ diente. Ein renovierter Raum im Mansardengeschoss erinnert auch heute noch an diese Zeit. Infolge seiner Wiedereröffnung mit der Ausstellung in Remscheid erweitert das Haus als zweites Museum dauerhaft das historische Gebäudeensemble des Historischen Zentrums / Deutschen Werkzeug­museums.

Der Künstler begleitete unterschiedliche Phasen der denkmalgerechten Sanierung in Lehmbauweise, in der das Fachwerkgebäude nachhaltigkeitskonform für die Bedürfnisse eines Museumsbetriebs modernisiert wurde. Tillmans’ vielschichtige Installation greift Spuren dieser Bau- und Nutzungsgeschichte auf und setzt sie in Beziehung zu seinen Wurzeln in der Stadt und dem eigenen Werdegang: Von Remscheid aus nach London und Berlin, blieb er seiner Geburtsstadt stets verbunden. Die Arbeiten treten in Dialog mit der Architektur des Hauses und der Geschichte der Remscheider Werkzeugindustrie. Sie ermöglichen eine einzigartige Erfahrung, in welcher Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft zu einer neuen Erzählung verschmelzen.

Tillmans Werk zeichnet sich durch eine besondere Verbundenheit mit seiner Umwelt und den ihn begegnenden Menschen aus, was zugleich sein künstlerisches Werk mit seinem politischen Engagement verbindet. So hat der Künstler gezielt Begegnungen mit ortsansässigen metallverarbeitenden Betrieben und den in ihnen tätigen Menschen gesucht. Es entstanden Porträts von Arbeitern, die neben solchen von Familienmitgliedern (das berühmte Bild der Mutter mit Trockenhaube), Freunden (Alexandra Bircken und Lutz Huelle – alten Schulfreunden, die zu langjährigen Weggefährten wurden) sowie internationalen Stars wie Lady Gaga oder Frank Ocean hängen. Es werden Verbindungen zu analogen Herstellungsprozessen in Industrie und Fotografie gezogen, wie sie in Tillmans’ abstrakten Arbeiten der Lighter und Freischwimmer mitschwingen. Der lichtdurchflutete Raumkörper von Haus Cleff wurde Gegenstand der Arbeiten von Wolfgang Tillmans. Nachts hingegen scheinen die Sterne über Haus Cleff besonders nah, was für den Künstler Inspiration zur Fortführung seiner Arbeit mit optischen Werkzeugen der astronomischen Himmelsbetrachtung ist. Unter anderen ist auch diese Arbeit in Haus Cleff zu sehen.

Von Remscheid in die Welt: Manche Werkgruppen wie die Schwarzweißfotokopien sind noch hier vor Ort entstanden. Andere, wie die paper drops oder apple trees, verweisen auf Tillmans langjährigen Aufenthalt in London, wo seine Karriere begann. Wir sehen Arbeiten, die auf ausgedehnten Reisen entstanden sind (Neue Welt) oder Partybilder, die nur auf den ersten Blick einen Gegensatz zu den Räumlichkeiten darstellen. Sie entsprechen der Gleichzeitigkeit und Verbundenheit von Dingen, Geschehnissen und Interessen von Tillmans.

Die Ausstellung in Remscheid korrespondiert zudem mit der Dauerausstellung im Deutschen Werkzeug­museum. In der Abteilung Handelsgeschichte kann etwa der Reisekoffer von F. C. Tillmans, dem Großvater des Künstlers, zusammen mit einzelnen Dokumenten aus den 1920er und 30er Jahren besichtigt werden, die Einblicke in die Handelswege des Familienunternehmens nach Mittelamerika geben.

In Zusammenarbeit mit der Stadt Remscheid, mit freundlicher Unterstützung der Galerie Buchholz